Hyundai i20N

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Die Mini-Rakete

“Kleine kompakte Autos mit ordentlich Leistung sind genau mein Ding. Genauso ein Teil hat man bei Hyundai im Programm. Den i20N – mit “N” wie Nürburgring. Diese Typbezeichnung sagt eigentlich schon alles aus. Und möglicherweise handelt es sich bei ihm auch um den letzten seiner Art, denn ob es vom nächsten i20 wieder einen sportlichen Ableger, geschweige denn mit Verbrennungsmotor, geben wird, ist leider fraglich.”

Nico Strauss, Redakteur

Bei Hyundai gibt es offensichtlich eine Abteilung, die den Faktor Fahrspaß sehr ernst nimmt. Hier beherrscht man die 180°-Umwandlung von kleinen feinen Kompaktfahrzeugen oder Crossover in richtig fiese Sportskanonen. Fies deshalb, weil, wenn sie nicht gerade in der auffälligen hauseigenen Motorsportfarbe “Performance Blue” lackiert sind, gerne unterschätzt werden. Wer vermutet schon unter der Haube eines i30 oder gar Kona 280 muntere südkoreanische Wildpferde?

Auf diese Leistung kann der kleinste N-Ableger im Hause, der i20N, nicht ganz zugreifen, doch das hat ausnahmsweise einmal nichts zu sagen. Er kompensiert seine geringere Leistung durch weniger Gewicht.


Mit den richtigen Ingenieuren und Spezialisten wird so aus einem Kleinwagen ein echter Hothatch mit dem Ziel, den größtmöglichen Fahrspaß für absolut faires Geld anzubieten. Grundvorraussetzung natürlich: Ein „starker“ Motor muss her, mit Turbo und mindestens 200 PS, das steht außer Frage. Gesagt, getan. Die 275 Nm (im Overboost sogar 300 Nm), respektive 204 PS des 1.6 Liter Vierzylinders (jawoll, kein rubbeliger Dreier), haben leichtes Spiel mit den 1.190 Kilogramm und sorgen für vehemente Längsdynamik. 6,2 Sekunden stehen im Datenblatt für den 0 auf 100-Sprint. Dabei ist der optimale Wirkungsbereich des Aggregats zwischen 3.500 und 5.000 Umdrehungen pro Minute. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 230 km/h.

Gekoppelt mit einem knackigen, über kurze Schaltwege verfügendem 6-Gang-Schaltgetriebe hängt der kleine Racer permanent gut am Gas. Wann hat manuelles Schalten zuletzt solch eine Freude bereitet? Hinzu kommt die herrliche Klangkulisse (eingetragene 94 dB). Sind die serienmäßigen Abgasklappen geöffnet, brabbelt und knallt es schon deftig. Auf Knopfdruck kann der N auch leise, falls man mal unscheinbar und diskret unterwegs sein möchte.

An die gute alte Zeit des Motorsport erinnert das Fahrwerk des i20 N, es muss stets ohne jeglichen elektronischen Verstell-Spielereien auskommen, arbeitet also rein analog. Und genau das macht das kompromisslos gute Handling aus. Der Spagat zwischen Sport und Komfort gelingt zwar nur bedingt, kurze Stöße schütteln die Insassen gelegentlich durch. Wen juckts?


Wer mehr Komfort möchte, kann sich gerne bei den “normalen” Hyundai bedienen. Auch lange Autobahnetappen sind okay, aber nicht unbedingt sein Metier, vielmehr die Kurvenhatz auf geschlungenen Landstraßen, wie etwa in Eifel und Hunsrück. Damit hier die Leistung nicht in Schall und Rauch aufgeht, hat Hyundai optional ein Torsen-Sperrdifferential an der Vorderachse verbaut. Das sorgt bei Traktionsverlust eines Rades für Power am anderen. Soll heißen: Mit Vollgas die Kurve anfahren, im letzten Moment kurz anbremsen – soweit also alles ganz normal – dann jedoch, bereits während des Einlenkens, einfach wieder aufs Gas treten und erstaunt zusehen, wie es den Hyundai i20N, eben dank der gesperrten Achse, Richtung Kurveninnenseite zieht. Unbeschreiblich, irre, Wahnsinn! Der Moment, in dem ich als erwachsener Mann hinterm Steuer wie ein Kind zu kichern beginne und mich bereits auf die nächste Kurve freue.


Ein Gimmick im i20N ist die Option “S-Kurvenerkennung”. Anhand der Verkehrsschilderkennung fragt dich das Display bei einem herannahenden Kurvenschild, ob Du in den N-Modus wechseln möchtest. Mit einem Druck auf die OK-Taste im Lenkrad wird die Perfomance blitzartig scharf gestellt und der Kurvenräuber ist wieder auf Beutezug.


Gerade in solchen Kurven beweisen die serienmäßigen Sportsitze, welche von der Sitzfläche, über den Rücken bis hoch ins Genick äußerst bequem sind, dass sie nicht nur sportlich aussehen sondern dich auch bei höherer Querbeschleunigung hervorragend an Ort und Stelle halten. Im Grunde genommen steht der Hyundai i20N seinem größeren Bruder i30N in Sachen Innenraum bis auf das geringere Platzangebot natürlich in Nichts nach. Richtige Drücker gibt’s am Lenkrad und der Klimaeinheit, Sensor und Touch am großen 10,25 Zoll Monitor, der bereits ohne Navi Standard ist.


An dieser Stelle kommen wir auf die Preise zu sprechen. Für den i20N mit bereits wirklich reichhaltiger Ausstattung verlangen die Südkoreaner 25.660,00 EUR. Optional mit Perfomance-Paket, 10,25-Zoll-Touchscreen mit Navigationssystem, Bluelink-Telematikdienste, Differentialsperre für die Vorderachse, Smart-Key-System mit Start-/Stopp-Knopf, Klimaautomatik und Sitzheizung hinten stehen 29.140,00 Euro in der Preisliste. Hierzu kann man noch für 690,00 Euro ein Assistenz-Paket buchen: Einparkhilfe vorne, Querverkehrswarner hinten, Spurfolgeassistent und Totwinkelwarner. Doch die Liste an serienmäßigen Features, die Menge der Möglichkeiten an Performanceanzeigen, Grafiken und nützlichen Spielereien ist noch lang.


Fazit: Hyundai zeigt wieder, dass man Ressourcen und Erfahrungen aus dem Motorsport perfekt auf die Straße bringen kann. Zu einem Preis-Leistungsverhältnis, das so seines Gleichen sucht. Der i20N ist ein Auto, das gerade in der heutigen Zeit wahre Emotionen weckt. Das Schalten, die Beschleunigung, der rotzfreche Auspuffknall und das gelegentliche Befüllen des 40-Liter-Tanks gehören dazu. Aber die durchschnittlich neun Liter Testverbrauch seien ihm gegönnt, er hat sich jeden Tropfen verdient, denn wirklich zurückhalten kann ich mich in diesem Auto nicht. Mea culpa!

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